vision Kino, 02.03.2022

EUROPE Filmtip
Philipp Bühler

Wo verlaufen die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit? Wieviel Fiktion steckt in unserer Ordnung des öffentlichen Raums, der Auswahl seiner Teilnehmer*innen und damit auch in den selten hinterfragten Konzepten von Nationalstaat und Staatsbürgerschaft? Über diese komplexe politische Dimension hinaus inspiriert der Film aber auch grundsätzliche ästhetische Überlegungen zum kinematografischen Sehen: Die Nicht-Sichtbarkeit erwirkt einerseits die totale Identifikation mit der Hauptfigur, widerspricht andererseits aber eklatant unseren Sehgewohnheiten. Für die glänzende Hauptdarstellerin Rhim Ibrir war diese Identifikation unausweichlich: Die Algerierin, der Scheffner bei den Dreharbeiten zu seinem Film „Havarie“ (2016) begegnete, spielt hier Teile ihres eigenen Lebens. (full article)