perlentaucher, 10.03.2022

Zutrittsverweigerung
Lukas Foerster

Es öffnet sich in "Europe", mit anderen Worten, ein filmischer Möglichkeitsraum. Das Moment des Diskontinuierlichen, das im fiktionalen Film ansonsten meist im Verborgenen bleibt, vor uns versteckt wird, tritt an die textuelle Oberfläche, und zwar mithilfe der simpelsten filmischen Techniken. Jemand schlägt eine Tür zu und öffnet sie wieder und schon sind wir in einer anderen Welt. Zohra trägt die Haare in einer Szene als Pferdeschwanz und in der nächsten offen und schon ist sie eine andere Frau. Die "Armut" der Mittel hat Methode: Dass die Kräfte der Fiktion (mit Deleuze gesprochen: die Mächte des Falschen) nicht in einer Situation des Überflusses und der Saturiertheit, sozusagen als bloßes Wohlstandsornament, entfesselt werden, sondern sich ganz im Gegenteil an eine Erfahrung des Ausgeschlossenwerdens, der Zutrittsverweigerung knüpfen: Darin artikuliert sich der politische Kern von Scheffners Film. (full article)